Die digitale Zukunft der Chemiebranche heißt Geschwindigkeit

Die Chemieindustrie befindet sich im digitalen Umbruch

„Geschwindigkeit wird zum Wettbewerbsvorteil“ so titelt ein Interview des Fachmagazins Chemie Technik im April 2022 mit Tobias Gehlhaar, Geschäftsführer des Bereichs Chemie, Grundstoffe und Versorgungswirtschaft bei Accenture zu einer von ihnen erstellten Studie zur Zukunft der Chemiebranche.

Die Chemie gehört zweifellos zu den großen Leitindustrien in Deutschland. Da geht es wirklich um Schwerindustrie und dementsprechend sind auch die Herausforderungen ähnlich. „Das Spannende für mich ist hier besonders, wie sich die Unternehmen aus diesem Bereich nun verstärkt Themen wie Digitalisierung und KI nähern und neue Technologien adaptieren“, so Gehlhaar und ergänzt: „Ich glaube, dass es für Unternehmen in der aktuellen Phase des Umbruchs notwendig ist, die eine oder andere ‚Wette’ auf die Zukunft zu setzen.“

Ein Problem sieht er beim Thema Brennstoffbeschaffung und Energieeffizienz und glaubt, dass wir in Zukunft viel mehr Kooperationen zwischen beiden Bereichen sehen werden. Ein Hemmschuh sei hier, dass gerade deutsche Industrieunternehmen sehr zurückhaltend sind, was Partnerschaften auf Augenhöhe angeht. Die Überlegung, dass man alleine die Wertschöpfung bestimmen muss, ist teilweise sehr tief in den Unternehmenskulturen verankert.

Wo geht es in Zukunft hin?

Es gäbe in der jüngeren Wirtschaftsgeschichte durchaus Beispiele, die uns zeigten, wo die Reise hingehen könnte, argumentiert Thomas Gehlhaar: „In der Finanzbranche etwa haben wir gesehen, dass einige Innovationen in diesem Bereich nicht bei den großen Playern, sondern bei kleinen Startups, den sogenannten Fintechs, stattgefunden haben“.

So eine Entwicklung sei auch in der Chemie möglich, gerade vor dem Hintergrund der sich abzeichnenden Verwerfungen im Energiebereich. Die Vorstellung, dass Assets ein Unternehmen langfristig schützen, sei falsch. Sobald sich Innovationen durchsetzen, gäbe es zwei Möglichkeiten: Entweder die Innovatoren schaffen es nicht selbst zu skalieren, dann schwappen die Innovationen zu etablierten Unternehmen hinüber und diese können sie nutzen, beziehungsweise vermarkten. Oder aber, es erwachsen neue Player – wie beispielsweise in der Telekommunikation und Technologie – die den großen Playern dann einen substanziellen Teil ihrer Margen ,,stehlen“.

Wie sich Chemie neu aufstellen sollte

Durch neue Verordnungen und Regeln, die beispielsweise im Bereich Energiewende in den nächsten Jahren kommen werden, wird Geschwindigkeit und Bereitschaft zum Wandel zum Wettbewerbsvorteil werden. Wenn es dann bald nicht mehr vor allem um Produktionskapazitäten und Qualität geht – alles Dinge: in denen die deutsche Industrie traditionell stark ist – dann wird das zum Problem, meint Experte Gehlhaar.

Am Ende geht es um die Frage: Wie schnell ist ein Unternehmen in der Lage, von einer Idee zur Umsetzung zu kommen. Sie sollten sich selbstkritisch mit der Frage auseinandersetzen ‚wo stehen wir da’? Dabei geht es dann um verschiedene Freigabestufen, Hierarchien im Unternehmen und so weiter. Eine ehrliche Bestandsaufnahme ist hier eine sehr hilfreiche Maßnahme, betont Gehlhaar.

Wenn Unternehmen nur in ihren eigenen Produktlinien denken und diese inkrementell weiterentwickeln, wird dabei nicht die nächste Disruption entstehen, die den Markt komplett umkrempelt. Und das heißt unter Umständen Investitionen in einem Bereich zu tätigen, für den aktuell noch gar kein Markt da ist.

Quelle und Zitate: Fachzeitschrift Chemie Technik – das Original-Interview führte Jona Göbelbecker

Foto: Yellow Boat

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