Rationell hergestellt und modern: Nachhaltiger, umweltschonender Baumwoll-Vlies

Mehr als 50 Prozent der Weltvliesstoffproduktion sind Polymere wie Polypropylen und Polyester. Solche PET- und PP-Fasern kommen ebenfalls in Krempel-Vliesen zum Einsatz. Hier sind es vor allem Wischtücher, aber auch Hygieneprodukte und industrielle Anwendungen wie Geo-, Automobil- und Filtertextilien, die in großem Maßstab genutzt werden.

In weniger als 20 Prozent dieser Vliesstoffe sind jedoch Naturfasern bzw. Fasern aus nachwachsenden Rohstoffen wie Viskose der Rohstoff der Wahl. Und auch Baumwolle spielt außer in dem engen Bereich der Wattepads kaum eine Rolle. Die Verbraucher beunruhigt nicht erst seit Neustem die Vorstellung, dass gigantische Plastikinseln im Ausmaß von ganzen Ländern in den Weltmeeren schwimmen. Und die Vorstellung, dass Mikroplastik in vielen Lebensmitteln zu finden ist, ist für niemanden angenehm.

Auf den ersten Blick haben Reinigungstücher und Plastiktüten vielleicht wenig gemeinsam. Doch konventionelle, wasserstrahlverfestigte Einmaltücher beinhalten Polyester- oder Polypropylenfasern. In freier Natur an Land oder im Meer degradieren auch sie langsam in winzige Partikel, das berüchtigte Mikroplastik. Es ist Zeit für die Industrie über ökologische Alternativen nachzudenken, schreibt Bodo Heetderks von der Trützschler Nonwovens GmbH in der Fachzeitschrift „melliland Textilberichte“.

Die besondere Herausforderung bei der Verarbeitung von Naturfasern ist, dass Verbraucher Wischtücher lieben und immer höhere Ansprüche in Bezug auf natürliches Gefühlsempfinden, Weichheit und Hautverträglichkeit formulieren. Die Nachfrage nach „natürlicheren" Produkten steigt dabei zusehends.

Bis auf Länder in Südostasien spielt Baumwolle in wasserstrahlverfestigten Vliesstoffen allerdings bis dato kaum eine Rolle, der Einsatz beschränkt sich auf Beimischungen bis zu 15 Prozent. Gründe hierfür sind geringe Faserlängen sowie die Neigung zu Fasernissen und damit verbundenen Risiken im Kardierprozess.

Nachhaltigkeit durch neuartige Baumwollvliese

Schon Mitte der 1980er Jahre wuchsen die Anforderungen an Durchsatz und Faserorientierung in der Vliesbildung. Hier deutete sich die Nachfrage im frühen 21. Jahrhundert bereits an. Optimierte Vliesstoffkrempeln bilden denn auch heutzutage die Grundlage für den hoch effizienten Einsatz von Baumwollfasern. Asiatische Produzenten verarbeiten auch gerne Rohbaumwolle, die eine Stapellänge von 17-24 mm und einen entsprechend geringen Kurzfasergehalt aufweisen.

Neben der Faserlänge stellen knotenähnliche Gebilde, die sogenannten Nissen, eine weitere Herausforderung dar. Bereits die klassische Baumwollspinnerei unterscheidet zwischen Faser-und Schalennissen. Mechanische Beanspruchungen der Fasern erhöhen die Anzahl der Fasernissen, daher kommt der eingesetzten Kardiertechnologie eine hohe Bedeutung zu. Die Vliesbildung mit konventionellen Walzenkrempeln erhöht grundsätzlich die Anzahl der Nissen aufgrund der hohen Durchmischung. Dieser Prozess ist deshalb nicht geeignet um Baumwolle effizient zu verarbeiten.

Ein Technik mit mechanischer Vliesabnahme und aerodynamischen Airlay-Krempeln sind dagegen optimal auf die Verarbeitung von Baumwolle ausgelegt. Sie zeichnen sich sowohl bei 100 Prozent gebleichter Baumwolle als auch bei Mischungen mit Viskosefasern durch eine hohe Produktionsleistung und einen nur geringen Nissenanstieg aus.

Nachgeschaltete Maschinen für Wasserstrahlverfestigung, sowie Trockner und Wickler arbeiten unabhängig von den Längen der eingesetzten Fasertypen. Und das eingesetzte Filtrationssystem ist darauf ausgelegt, auch Baumwolle mit hohem Kurzfaseranteil zu verarbeiten. Lediglich Anzahl und Typ der Filterstufen müssen bei der Verwendung von Naturfasern angepasst werden.

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