Neues variables Prüfverfahren für Bodenbeläge im Heim- und Objektbereich

 Textile Bodenbeläge werden in Anwendungsbereiche eingestuft, indem im Labor mechanisch Aussehensveränderungen an Proben erzeugt werden. Es gibt jedoch kein Prüfverfahren, um Aussehensveränderungen an starren textilen Bodenbelägen zu erzeugen und damit das Verschleißverhalten in der Praxis zu simulieren. Durch ein neues variables Prüfverfahren dürfte sich die Situation nachhaltig ändern. Auch eine Änderung der damit verbundenen EU- und DIN-Normen werden diskutiert.

Normalerweise wird bei diesen Prüfungen / Einstufungen anhand der subjektiv bewerteten Stärke der Aussehensveränderung entschieden, ob die Bodenbeläge für den Heim- oder den Objektbereich, für schwache oder starke Beanspruchung geeignet sind. Für dieses Verfahren werden Proben in einer Trommelwand befestigt. Jedoch ist der Verfahren schon lange nicht mehr angepasst worden – der letzte Abgleich von der Praxisbeanspruchung zur einer Simulation im Labor wurde 1984 in einem Forschungsprojekt des TFI - Institut Für Bodensysteme an der RWTH Aachen durchgeführt. Seitdem hat sich jedoch das Produktspektrum bei Bodenbelägen vollständig erneuert.

Mit breiter Unterstützung der Bodenbelags-Industrie aus Belgien und Deutschland wurde nun ein variables Prüfverfahren – die so genannten FOCuS-Methode – entwickelt. Es ermöglicht auch die Prüfung und Einstufung nichttextiler Bodenbeläge. Aktuelles Wissen über Bewegungsmechanismen und Kräfte des menschlichen Gangs spielen dabei eine entscheidende Rolle.

Ein neues Prüfverfahren nach DIN- und EU-Normen?

Für die Neuentwicklung wurden von den beteiligten Unternehmen mehr als 30 textile Bodenbeläge zur Verfügung gestellt, die das derzeitige Herstellungsspektrum in Europa repräsentieren. Die am besten dem menschlichen Gang vergleichbare Prüfmethode ist die Lisson­Tretradprüfung. Für die subjektiv-visuelle Bewertung der Aussehensveränderung ist diese Prüfung jedoch ungeeignet, da die bewertbare Fläche zu klein für die oft grob strukturierten und gemusterten Bodenbeläge ist.

Die aktuelle Herangehensweise bei den neu installierten Teststrecken unterscheidet sich in wesentlichen Bedingungen von den herkömmlich genutzten Verfahren wie Frequentierung, Beleuchtung und Schmutzeintrag. Neben der regelmäßigen Unterhaltsreinigung wurden dabei nicht nur turnusmäßig subjektive Bewertungen und Farbmessungen durchgeführt, sondern auch der Abnutzungszustand per Scan dokumentiert.

Für die Entwicklung des neuen Prüfverfahrens wurden auf Basis des Methoden-Reviews und des menschlichen Gangs verschiedene Konzepte entwickelt und die aktuellen Parameter der „FOCuS“-Prüfmethode erarbeitet. Als Abriebkörper wurden, neben den Gummistopfen der „Vettermann-Trommelprüfung“ und den Sohlen der Tretrad-Prüfung, aufgrund der besseren Verschleißeigenschaften auch Metallabrieb-Körper eingesetzt. Die Art der Aussehensveränderungen, die mit dieser Methode erzielt werden, ist den Ergebnissen in der Hexapod-Prüfung sowie der Praxis vergleichbar.

Zusätzlich wurden in Workshops mit den Mitgliedern des projektbegleitenden Ausschusses die Ergebnisse der neuen Prüfmethode diskutiert.  Insgesamt wurde dabei die neue Prüfmethode als sehr zukunftsweisend betrachtet. Die während der Projektlaufzeit gewonnenen Erkenntnisse im Vergleich zur bisherigen Praxis sollen daher auch in den entsprechenden Normungsgremien auf deutscher und europäischer Ebene diskutiert werden.

Ein Bericht dazu erschien in der Ausgabe melliand Textilberichte 2/2019, die Autoren waren

  • Sophia Gelderblom, Bayram Aslan; TFI - Institut für Bodensysteme an der RWTH Aachen e.V., Aachen
  • Jo Wynendaele; Centexbel, Gent/Belgien
  • Thorsten Knierim, Prüf- und Forschungsinstitut Pirmasens e.V. (PFI), Pirmasens
  • Didier Van Daele; Gent University, Gent/Belgien

 

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