Antimonoxid als Flammschutzmittel – effizient aber auch gefährlich?

 Schwerentflammbare, beschichtete Gewebe enthalten typischerweise Flammschutzmittel in der Beschichtung. Es gilt: Je dünner das Gewebe und die Beschichtung sind, umso effizientere Flammschutzausrüstungen sind erforderlich. Dabei stellt Antimonoxid einen sogenannten Synergisten dar, der in Kombination mit halogenhaltigen Flammschutzmitteln in Kunststoffen einen sehr effizienten Flammschutz darstellt. Stäube von Antimonoxid, die über die Lunge in den Körper kommen können, werden jedoch allgemein als krebserzeugend eingestuft.

Daher werden zur Zeit Untersuchung durchgeführt, die Aussagen darüber zu treffen sollen, ob von beschichteten Textilien, die mit Antimonoxid ausgerüstet sind, eine Gesundheitsgefährdung ausgehen kann, berichtet Sebastian Eibl vom Wehrwissenschaftliches Institut für Werk- und Betriebsstoffe in Erding.

Den besonderen Aspekt bildet hierbei die Tatsache, dass eine gesundheitsschädliche Wirkung durch eine Aufnahme über die Haut nicht bekannt ist. Damit stellt sich die Frage, ob eine Gesundheitsgefährdung durch Antimonoxid überhaupt möglich ist, wenn es als Flammschutzmittel im Material der Beschichtung eingebettet vorliegt und nicht permanent freigesetzt wird.

Um den Einfluss von Feuchte und Alterungszustands der Gewebe zu berücksichtigen, wurden Auslagerungsversuche vorgenommen, die bis zu zwölf Wochen dauern. Dabei stellte sich heraus, dass durch die Auslagerung in feuchter Luft bei gleichzeitig erhöhten Temperaturen Antimonoxid oberflächlich freigelegt wird.

Um das Freisetzungsverhalten über längere Zeiträume bei Raumtemperatur aus Labordaten vorherzusagen, wurde ein Verfahren nach „Arrhenius“ angewendet (quantitative Temperaturabhängigkeit bei physikalischen und vor allem chemischen Prozessen, bei denen auf molekularer Ebene eine Aktivierungsenergie überwunden werden muss). Hierbei kann man schlussfolgern, dass der Einfluss von Feuchte kritisch bezüglich einer Antimonoxid-Freilegung bei typischen Umgebungsbedingungen ist – zehn Prozent des gesamt enthaltenen Antimonoxids entweichen bei 20°C nach wenigen Jahren.

Gesundheitsgefährdung – ja oder nein?

Für die Bewertung einer möglichen Gesundheitsgefährdung durch Antimonoxid sind vor allem Stäube relevant, die beim Einatmen in die Lunge gelangen. Mit den hier dargestellten Untersuchungen wird jedoch lediglich die grundsätzliche Möglichkeit einer oberflächlichen Freilegung geprüft. Explizite Untersuchungen zur Freisetzung von Stäuben wurden nicht durchgeführt. So lange das Material in das Polymer eingebettet vorliegt, ist von keiner relevanten Exposition eines Nutzers auszugehen.

Es reicht es jedoch nicht aus, in Untersuchungen das Gewebe nur im Neuzustand zu bewerten. Eine mögliche Exposition oder eine Freisetzung von Antimonoxid muss auch während der Nutzung nachgewiesenermaßen ausgeschlossen werden. Im Sinne einer Risiko-Nutzen-Abwägung kann bei einem begründeten Bedarf einer effizienten Flammhemmung in Geweben mit dünnen Beschichtungen die Verwendung von Antimonoxid als Flammschutzmittel-Synergist durchaus sinnvoll sein.

Gegenwärtig werden weitere Anstrengungen zur Bewertung und Einstufung des gesundheitsgefährdenden Potenzials unternommen. Eine mögliche Regulierung durch „REACH“ (einer EU-Verordnung) ist nach Aussage durch das „Bundesinstitut für Risikobewertung“ jedoch in einem geschätzten Zeitraum von etwa zehn Jahren nicht zu erwarten.

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