Japanische Brandschutz-Materialien aus papierdünnem Material

Ein Brand entsteht manchmal scheinbar aus dem Nichts und kann sich so schnell ausbreiten, dass für die anwesenden Personen kaum Rettung möglich ist. Ein Grund, warum gute Brandschutz-Eigenschaften für Materialien, die in öffentlichen Bereichen (Flugzeuge, Schiffe, Eisenbahnen, Autos und öffentliche Gebäuden wie Hotels und Theater) eingesetzt werden, absolut elementar ist. Weserland bietet für diese Bereiche halogenfreie und raucharme Flammschutz-Compounds an, die speziell auf die jeweiligen Anforderungen und Einsatzzwecke abgestimmt sind. So können neben Erfordernissen bezüglich Flammschutz, Rauchgasdichte und -toxizität auch die "klassischen" Anforderungen, wie gute Schnittkantenverfestigung bzw. Pol- und Noppeneinbindung, sowie antistatische Eigenschaften erfüllt werden.

Gerne schauen wir mit unseren Entwicklungs-Teams auch über den Tellerrand und sind dabei auf neue Material Gulfeng von Toray (Tokio) gestoßen, das sehr gute Brandschutzeigenschaften mit sehr guten mechanischen Eigenschaften kombiniert.

Was Gulfeng interessant macht, sind seine mechanischen Eigenschaften und die Vielfalt, mit der sich die Fasern verarbeiten lassen. Wo klassische Werkstoffe dazu tendieren dick und steif zu sein, ist Gulfeng dünn, leicht und flexibel. Es lässt sich zu Stoff verweben, stricken oder zu weichen Matten verfilzen. Das Material ist papierdünn (0,06 mm bei 60 g/qm) und kann daher auch sogar im Bettenbereich verwendet werden. Entsprechende Test waren sehr erfolgreich und zeigten eine gute Flammhemmung.

Der flammblockende Effekt von Gulfeng beruht auf der Kombination von zwei Materialien – Polyphenylensulfid (PPS) und oxidiertes Polyacrylnitrit (Ox-PAN), eine nichtschmelzende, temperaturbeständige Faser aus thermisch stabilisiertem PAN.

Karbonisierung unter Ausschluss von Sauerstoff

Wenn das Material einer Flamme ausgesetzt wird, reagieren alle Varianten gleich: Das Gewebe heizt sich auf und beginnt bei 285 °C schmelzen.  Der flüssige Kunststoff bildet dann eine dünne Haut um die oxidierten Fasern, die die Hitze der Flamme unter Ausschluss von Sauerstoff absorbieren, deshalb auch nicht verbrennen. Dabei kommt es zur Karbonisierung – die Fasern wandeln sich in widerstandsfähiges Graphit um. Das geschmolzene Material füllt die Lücken und karbonisiert ebenfalls, sodass eine geschlossene Membran aus Kohlenstoff entsteht, die eine ausgezeichnete Barriere gegen die Flammen bildet.

Dank der guten Materialeigenschaften von Gulfeng kann man einen hohen Komfort und sehr dünne Polster realisieren. Gerade bei der Bestuhlung von Flugzeugen kämpfen ja viele Airlines um jeden Millimeter.   

Eine weitere interessante Entwicklung ist ein Basismaterial für ein Kunstleder. Zusammen mit einem japanischen Kunstlederhersteller entstand ein leichtes und dünnes Material – und da es Gulfeng als Grundgewebe verwendet, ist der Flammschutz bereits mit eingebaut. Normales Kunstleder benötigt eine zusätzliche Schicht als Flammenblocker zwischen dem Außenmaterial und dem Sitzpolster. Diese kann mit dem Spezial-Leder entfallen oder deutlich dünner sein, was insgesamt Gewicht spart und die Herstellung erleichtert.