Der Trend zur Nachhaltigkeit: Vliesstoff-Industrie reagiert mit breitem Produkt-Spektrum

Für die Bereitstellung von nachhaltigen Vliesstoffen heißt es materialtechnisch schon heute mehr Stoffe für den Gebrauch von morgen zu konstruieren. Ziel ist es übermorgen hinsichtlich Ökologie und Ökonomie eine optimale Wiederverwertung und Entsorgung erzielen zu können. Eine wichtige Aufgabe also für die Verfahrens- und Produktentwickler in Forschung und Industrie, die bereits mit den ersten Produkten auf dem Markt kommen.

Die Vliesstoff-Industrie schafft durchaus innovative Impulse mit wirtschaftlichen und funktionellen Produkten zum Beispiel zur Filtration, zum Leiten und Speichern von Wasser, zur Gewinnung von nutzbarem Oberflächenwasser, zur Verhinderung von Wasserverdunstung und zum Schutz gegen das Abschmelzen von Gletschern und Eis, schreibt Dr. Peter Böttcher in der Fachzeitschrift »Nonwovens & Technical Textiles« (avr).

Kunststoffprodukte wie Folien oder Vliesstoffe werden als Biokunststoffe bezeichnet, wenn sie unabhängig von der Rohstoffbasis nach der europäische Norm EN 13432 biologisch abbaubar oder kompostierbar sind. Unter den Bio-Polymeren aus Pflanzenrohstoffen werden dem Polylactid (PLA) große Chancen eingeräumt, da es gute funktionelle Eigenschaften mit guten Abbaueigenschaften kombiniert. Um darüber hinaus Nahrungsmittel-Ressourcen zu schonen, soll PLA perspektivisch statt aus Maisstärke aus Biomasse gewonnen werden.

Für die Herstellung von Faser-Vlies-Stoffen bietet etwa Trevira eine Reihe von PLA­Fasertypen an – zum Beispiel Fasern für die mechanische Vliesverfestigung durch Vernadeln oder Wasserstrahlverwirbeln oder für die Nass-Vlies­Herstellung Biko-Fasern für eine thermische Verfestigung.

Entscheidend ist jedoch natürlich auch der eigentliche Produktionsprozess, der vor allem energetisch Nachhaltigkeit durch Reduzierung des Energieverbrauchs bereitstellen soll. Beispiele sind: Lösungen zur Erhöhung der Flächenmassegleichmäßigkeit und damit Reduzierung der Vlies-Stoffmasse und Entwicklung von Anlagentechnik zur Verarbeitung nachwachsender Rohstoffe wie Lyocell und PLA. Energetisch wird auf Einsatz von Blockheizkraftwerken für die Anlagenversorgung mit Strom und Wärme, Heizen mit Gas statt Strom, Energieeffizienzpakete für Kalander mit Einhausung, Einsatz effektiver Motoren und frequenzgeregelter Pumpen, sowie Rückspeisung von Bremsenergie und Wärmerückgewinnung aus Abluft.

Beispiel-Anwendungen für aktuelle nachhaltig angelegte Vliese

Vlies-Stoffe im Hygienebereich sind meist als sogenannte »Wegwerfprodukte« im Einsatz. Hier stehen dem nicht so nachhaltigen Rohstoffeinsatz erhebliche positive Effekte der wirtschaftlichen und ökologischen Entsorgung von festen oder flüssigen Problemabfällen entgegen. Peter Böttcherführt in seinem Artikel in der avr-Ausgabe 3/18 weitere konkrete Beispiele auf:

Das Vlies-Stoff-Unternehmen Freudenberg bietet beispielsweise eine Eco-Variante der Wattierung aus Faserbällchen. Diese nachhaltige High-Performance-Wattierung für den Einsatz im Sportbereich besteht zu 80 Prozent aus recycelten Fasern. Die restlichen 20 Prozent sind ein Bindermaterial, das für die Herstellung einer zusammenhängenden Fläche als Wattierung dient.

Geokunststoffe wie Nadel-Vliesstoff oder Geogitter werden mit relativ geringem Energieaufwand und emissionsfrei hergestellt. Ihr Einsatz im Tief- und Straßenbau weist neben wirtschaftlichen auch ökologische Effekte auf. So wurde von der Firma Huesker in einem Projekt beim Bau einer zweispurigen Straßenüberführung nachgewiesen, dass statt klassischer Bauweise mit Austausch des Lehmbodens durch den Einsatz von Geokunststoffen die transportbedingte Emission von C02um 35 Prozent und die Baukosten um 55 Prozent reduziert werden konnten.